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Dockingstationen als Zukunft der Leih-Scooter?

Wild abgestellte Leih-Scooter gehören seit Jahren zu den größten Kritikpunkten am Sharing-System

In mehreren europäischen Städten stehen bereits die ersten Dockingstationen für Leih-Scooter. Nach der Fahrt werden die Fahrzeuge nicht mehr irgendwo auf dem Gehweg abgestellt, sondern in einer Station verriegelt und gleichzeitig geladen.

An solchen Docking-Stationen würden Leih-Scooter nicht nur ordentlich geparkt, sondern gleichzeitig verriegelt und geladen.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • deutlich weniger Wildparken
  • weniger Vandalismus und Diebstahl
  • jederzeit geladene Fahrzeuge
  • weniger Transportfahrten zum Akkuwechsel
  • ein aufgeräumteres Stadtbild

Gerade für Menschen mit Sehbehinderungen, Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen könnten freie Gehwege ein echter Gewinn sein. Viele der heutigen Konflikte zwischen Sharing-Angeboten und Fußgängern würden entschärft. 

Doch so einfach ist die Sache nicht.

Denn jede Dockingstation benötigt Platz – und genau der ist in deutschen Innenstädten ohnehin knapp.

Wo heute vielleicht noch Fahrradbügel, Grünflächen oder Sitzgelegenheiten stehen, müssten künftig Stationen für Leih-Scooter entstehen. Kritiker könnten deshalb einwenden, dass erneut öffentlicher Raum zugunsten kommerzieller Angebote genutzt wird.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt:

Der größte Vorteil von Leih-Scootern besteht bislang darin, dass sie nahezu überall innerhalb eines erlaubten Bereichs abgestellt werden können. Müssen Nutzer künftig erst zur nächsten Dockingstation laufen, könnte ein Teil dieser Flexibilität verloren gehen.

Vielleicht liegt die Zukunft deshalb gar nicht in einem Entweder-oder.

Denkbar wäre ein Hybridmodell:

An Bahnhöfen, Innenstädten, Universitäten und anderen stark frequentierten Orten sorgen Dockingstationen für Ordnung und geladene Fahrzeuge. In Wohngebieten oder Randlagen bleibt dagegen das bewährte Free-Floating-System mit klar definierten Parkzonen erhalten.

Tatsächlich wird genau dieser Ansatz bereits in mehreren europäischen Städten getestet. Bolt betreibt entsprechende Lade- und Dockingstationen unter anderem in Tallinn, Riga, Vilnius, Trakai und Setúbal. Parallel entwickeln weitere Unternehmen und EU-Projekte ähnliche Lösungen für die urbane Mobilität der Zukunft. 

Nach Angaben von Bolt zeigen die bisherigen Erfahrungen ein deutlich positiveres Parkverhalten der Nutzer: Rund 80 %der Befragten empfinden die Roller dadurch als ordentlicher abgestellt, 76 % wünschen sich sogar einen weiteren Ausbau des Systems. Gleichzeitig bleiben die Fahrzeuge durch das automatische Laden jederzeit einsatzbereit. 

Interessant ist außerdem: Die Dockingstationen wurden markenoffen entwickelt. Sie können grundsätzlich auch Fahrzeuge anderer Sharing-Anbieter aufnehmen. Damit wäre langfristig sogar eine gemeinsame Infrastruktur denkbar – ähnlich wie Parkhäuser oder Fahrradabstellanlagen heute von allen genutzt werden.

Offenes System: An solchen Stationen könnten Scooter aller Anbieter abgestellt und geladen werden.

Kommt das auch nach Deutschland?

Noch gibt es in Deutschland keine vergleichbaren Netze. Dennoch dürfte das Thema in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen.

Viele Kommunen suchen nach Lösungen gegen Wildparken und Vandalismus, ohne Leih-Scooter komplett aus den Innenstädten zu verdrängen. Gleichzeitig steigt der politische Druck, öffentliche Flächen besser zu organisieren und Konflikte mit Fußgängern, Rollstuhlfahrern oder sehbehinderten Menschen zu reduzieren.

Ob daraus irgendwann ein europaweiter Standard entsteht, ist derzeit offen. Einen verbindlichen Standard oder eine gesetzliche Vorgabe gibt es bislang nicht. Allerdings setzt Bolt seine Stationen bereits in mehreren Ländern mit identischer Technik ein und wirbt ausdrücklich dafür, dass auch andere Betreiber diese Infrastruktur nutzen können. Das könnte ein erster Schritt in Richtung einer einheitlicheren Lösung sein – vorausgesetzt, weitere Anbieter und Städte ziehen mit. 

Vielleicht diskutieren wir in Deutschland bislang die falsche Frage.

Statt darüber zu streiten, ob Leih-Scooter in unsere Städte gehören, sollten wir vielleicht häufiger darüber sprechen, wie sie sinnvoll in den öffentlichen Raum integriert werden können.

Dockingstationen wären dafür zumindest ein spannender Ansatz – auch wenn sie sicher nicht alle Probleme lösen werden.

Unsere Meinung bei Scoot it!:

Dockingstationen werden das Sharing-System vermutlich nicht vollständig revolutionieren. Als Ergänzung an besonders sensiblen Standorten könnten sie jedoch helfen, viele der heutigen Probleme zu entschärfen – ohne die Vorteile der Mikromobilität aufzugeben.

Wie seht ihr das?
Sind feste Dockingstationen der richtige Weg – oder würde dadurch genau die Freiheit verloren gehen, die Leih-Scooter so attraktiv macht?

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