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Egret GTc im Check

Ein 2.199-Euro-Kompromiss auf Abwegen?

Mit dem Egret GTc bringt der Hamburger Premium-Hersteller das 20 km/h-Pendant zum schnellen GTS auf den Markt. Ein E-Scooter mit festem Sitz, Vollfederung und gemütlichem Cruiser-Versprechen. Keine Helmpflicht, außerorts ab auf den Radweg – das klingt auf dem Papier nach purer Entschleunigung.

Doch schaut man genauer hin, bringt der GTc ein paar massive Fragen mit sich, die vor allem Tourenliebhaber schlucken lassen dürften.

Mit dem GTc bringt der die Hamburger Scooter-Schmiede Egret das 20 km/h-Pendant zum 45er-Roller GTs heraus. (Foto: Walberg Electrics)

Der Rechts-Irrtum: Nix mit "einfach draufsteigen"

Wer glaubt, der GTc sei wie ein eKFV-Tretroller ab 14 Jahren führerscheinfrei nutzbar, wird von der Zulassung enttäuscht. Als eingetragenes Leichtmofa (L1e-B) setzt der GTc mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung (oder den PKW-/Zweirad-Führerschein) voraus, sofern man nach dem 01.04.1965 geboren ist. Führerscheinfrei ist hier also gar nichts – ein klarer Punktabzug bei der Spontanitäts-Note.

🐢 20 km/h im Sitzen innerorts: Der Bremsklotz im Verkehr?

Auf Radwegen darf der GTc innerorts nur rollen, wenn das Zusatzschild "Mofas frei" steht. Fehlt das Schild, müsst ihr auf die Straße. Und genau da wird es skurril: Mit exakt 20 km/h im Sitzen auf der Fahrbahn zwischen rollenden Autos zu schwimmen, sorgt weder für Sicherheitsgefühl noch für entspanntes Fahren. Man ist schlichtweg ein Hindernis für den Stadtverkehr.

Einfach mal gemütlich cruisen – hoher Funfactor mit dem GTs und dem GTc – dann allerdings mit maximal 20 Stundenkilometern.

Premium-Preis, aber Magerkost bei der Reichweite und Verarbeitung?

Das größte K.o.-Kriterium ist jedoch die Kombination aus Preis und Reichweite. Für saftige 2.199 Euro – also exakt denselben Preis wie für die 45-km/h-Variante GTS – erwartet man eigentlich einen Dauerläufer für ausgedehnte Sonntagsausflüge.

Doch die Akku-Kapazität bremst die Gemütlichkeit aus. Wer bei einem Sitz-Scooter echtes Cruiser-Feeling für Touren sucht, wird hier schmerzlich an die Kette gelegt. Bei realistischen Bedingungen schrumpft der Aktionsradius so weit zusammen, dass man sich zwei Mal überlegt, ob man die nächste Eisdiele im Nachbardorf noch ansteuert. So sind es beim Egret GTs keine dreißig Kilometer – je nach Topografie und Fahrstil, bis der Scooter die rote Flagge hisst. Ein Hoffnungsschimmer auf mehr Reichweite besteht darin, dass der baugleiche GTc nicht die volle Leistung abruft, wie in der 45er-Variante.

Schaut man sich in diversen Foren um, muss Egret sich vorwerfen lassen, dass der Ruf des Premiumgherstellers oft infrage gestellt wird: Hier ist immer wieder von knarrenden Hinterachsaufhängungen ("wie ein altes Pferdefuhrwerk"), Überhitzungsproblemen an Steigungen, wackligen Ständern, schlecht ablesbaren Instrumenten und eben der geringen Reichweite zu lesen.

In der 45er-Variante hält die geringe Reichweite von ausgedehnten Ausflügen ab. Hoffnung besteht für den GTc, der bei identischer technischer Ausrüstung weniger Leistung abruft.

Fazit

Der Egret GTc verfängt sich in einer eigenartigen Nische. Er bietet fantastischen Sitzkomfort und zum Großteil und trotz einiger Schwächen eine tolle Verarbeitung, ist aber rechtlich weder ein unkomplizierter E-Scooter für jedermann noch durch seine Reichweite ein vollwertiger Touren-Roller. Wer 2.199 Euro auf den Tisch legt, die nötige Fahrerlaubnis besitzt und keinen Helm tragen will, muss sich fragen: Ist die gedrosselte Gemütlichkeit den immensen Aufpreis und die Reichweiten-Reue wirklich wert?

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