7. Mai 2026
Testbericht: RCB D7 Max
Brachiale Power für Fortgeschrittene

Mit dem D7 Max hat der chinesische Hersteller RCB nun einen neuen Scooter vorgestellt, der ein absoluter Gamechanger sein könnte. Eines sei jedoch vorweggenommen: Die Power ist nichts für Anfänger. Der RCB liefert eine brachiale Peakleistung von 3.600 Watt aus zwei Motoren, was dazu führt, dass man in der Fahrstufe drei („Turbo“) und mit eingeschaltetem Allradantrieb beim leichten Dreh am Griff fast vom Board fliegt. Der Anzug ist enorm, und bei den angezeigten 22 km/h scheint sich der Scooter fast schon zu langweilen.

Ergonomie und massive Bauweise
Auf dem Board selbst steht man mit 20 Zentimetern Breite und einer Länge von 52 Zentimetern auf einem rutschfesten Brett äußerst bequem. Auch die Fußstütze am hinteren Ende wurde modifiziert und bietet jetzt spürbar mehr Komfort für den hinteren Fuß. Unter der Haube hat sich im Vergleich zum Vorgänger gar nicht so viel verändert, hier sorgt ein massiver 27-Ah-Akku in einem stabilen 52-Volt-System für die nötige und reichlich vorhandene Power. Die Lenkerhöhe ist mit 105 Zentimetern ab dem Trittbrett durchschnittlich und gut gewählt, während die Breite des neu konstruierten und leicht gekröpften Lenkers mit 67 Zentimetern deutlich zugenommen hat. Die Griffe sind zwar vom Vorgänger bekannt, aber der gesamte Lenker macht nun einen wesentlich ergonomischeren Eindruck beim Fahren. Zwar lässt sich die Neigung des Lenkers individuell anpassen, eine Höhenverstellung gibt es hingegen nicht mehr, und auch die Lenkerenden sind nun nicht mehr abklappbar.
Ein Schwergewicht für höchste Belastungen
Der RCB D7 Max ist ein echtes Schwergewicht, das ordentlich was wegstecken kann. Die maximale Belastung ist mit stolzen 180 Kilogramm angegeben, was abzüglich des Eigengewichts von 37 Kilogramm für ein sattes Fahrergewicht von bis zu 143 Kilo sorgt. Gestartet wird die massive Fuhre wahlweise mit einer PIN oder einer der beiden mitgelieferten NFC-Karten an der Bedieneinheit. Ist das Bergmonster erst einmal zum Leben erwacht, gibt es kein Halten mehr. Brutal schiebt sich das Gerät nach vorn, und selbst an steilen Hängen kennt der Vortrieb keine Grenzen. Der Hersteller beziffert die Steigleistung mit beeindruckenden 42 Prozent, und die Praxis zeigt, dass dies kein Marketing-Geschwätz ist. Diese brachiale Power ist ideal für Menschen mit etwas mehr Lebendgewicht oder für Nutzer, die in bergigen Regionen leben.
Souveränes Fahrverhalten auf jedem Untergrund
Wir haben uns für einen ausgiebigen Test das Sauerland – das Land der tausend Berge – ausgesucht, um den neuen RCB D7 Max auf Herz und Nieren zu prüfen. Auf der geraden Strecke fällt uns sofort der stabile Geradeauslauf positiv auf. War der Vorgänger noch etwas unruhig in seinem Lenkverhalten, sorgt der neue Vorbau des Max an dieser Stelle für deutlich mehr Souveränität auf der Piste. Auch abseits des Asphalts macht der RCB eine gute Figur, schiebt sich unerbittlich durch das Gelände und macht vor steilen, unbefestigten Hügeln keinen Halt. Die grobstolligen Offroad-Reifen bieten einen guten Pannenschutz und rollen angenehm sowie überraschend leise ab. Auch das Federverhalten ist bereits in den Werkseinstellungen sehr komfortabel, wobei Nutzer die Federwirkung der beiden Elemente individuell anpassen können.

Wenn Berge zu Maulwurfshügeln werden
Berge werden mit dem D7 Max förmlich plattgebügelt, und so kommen wir trotz einem Kampfgewicht von 112 Kilogramm auf der Waage ohne Geschwindigkeitsverlust die Hänge hinauf. Der Allradantrieb zeigt sich auch im Gelände brachial im Anzug, sodass besonders der Vorderreifen auf unbefestigtem Untergrund oft nach Grip sucht. Damit ist der RCB einer der wenigen Scooter, die werksseitig mit durchdrehenden Reifen an den Start gehen können. Wer mit dem Monster in den Regen gerät, muss nicht nervös werden, denn das Gerät ist nach IP54 zertifiziert und verträgt problemlos Fahrten durch Pfützen oder Spritzwasser.

Reichweite und technische Feinheiten
Die Reichweite beziffert RCB mit bis zu hundert Kilometern. Nach unserer Testfahrt attestieren wir ein realistisches Ergebnis von etwa 70 Kilometern purem Fahrspaß, wobei der noch nicht kalibrierte Akku sicher noch Luft nach oben bietet. Wer im Alltag weiterkommen möchte, kann den Allradantrieb einfach abschalten und so Akkukapazität sparen. Zwar zeigt die verbaute Geschwindigkeitsanzeige meist 22 km/h, per GPS haben wir jedoch reale Werte zwischen 21,4 und 22,0 km/h gemessen. Bergab rollt die schwere Fuhre zwar schneller, doch das interne Display verschweigt dies und bleibt wie festgemeißelt auf der 22 stehen.

Licht und Schatten bei der Bedienung
Beim Display selbst hätten wir uns allerdings eine zeitgemäßere Akkuanzeige in Prozent sowie eine Angabe der Restreichweite gewünscht. Nach wie vor muss der Nutzer hier mit einer eher schlichten Balkenanzeige leben, die zudem bei direkter Sonneneinstrahlung teils schlecht abzulesen ist. Wer den Akkustand genau wissen möchte, muss den Umweg über die Bluetooth-App nehmen. Für die nötige Verzögerung sorgen die hydraulischen Scheibenbremsen von Zoom, die sich hervorragend dosieren lassen. In Sachen Sicherheit hat der Max zwar Blinker in den Lenkerenden, wünschenswert wären jedoch zusätzliche separate Blinker am Heck gewesen.

Alltagstauglichkeit und Fazit
Am Ende des Tages pumpt das Ladegerät mit starken 4,2 Ampere den Akku in etwa sechs bis acht Stunden wieder voll. Mit seinem stolzen Gewicht ist der D7 Max wahrlich kein „Letzte-Meile-Scooter“, aber seine stabile Bauweise beweist Qualitäten wie ein hervorragendes vollgefedertes Fahrwerk. Das Klappsystem wurde spürbar verbessert und verriegelt den Scooter nun sicher. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei einem Preis zwischen 1.100 und 1.300 Euro unschlagbar. Wurde der RCB anfangs noch als „Chinakracher“ belächelt, müssen sich etablierte Mitbewerber wie Teverun oder Hitway nun definitiv warm anziehen.